Projektleiter sind (eigentlich) Agilisten | Die Rolle des modernen Projektleiters im Fokus

Trainer und Berater Alexander Koschke wirft einen Blick auf die Rolle der Projektleiter und die vermeintliche Kluft zwischen eben jenen und den Agilisten. Dabei zeigt er die Folgen der “Degeneration” des Projektleiters auf und erläutert, weshalb die harsche Trennung zwischen klassischem und agilem Projektmanagement längst nicht mehr zeitgemäß ist.

 

PROJEKTLEITER SIND (EIGENTLICH) AGILISTEN

 

In Zeiten, wo in vielen Unternehmen immer noch ein erbitterter Kampf zwischen den „Klassikern“ und den „Agilisten“ oder zwischen „Wasserfall“ und „Scrum“ herrscht, ist dieser Titel eine gewagte These. Und dennoch ist das meine Überzeugung: Eigentlich – dem Wesen nach – sind Projektleiter auch Agilisten.

 

Dies gerät allerdings immer wieder in Vergessenheit, da wir es in der Unternehmensrealität oft nicht mehr oder noch nicht erleben. Ein Projekt ist etwas Neuartiges, etwas noch nie Dagewesenes und meist auch Komplexes. Wer da nur „nach Wasserfall“ oder nach einem Standardprozess (z.B. Produktentstehungsprozess etc.) vorgeht, wird der Rolle „Projektleiter“ nicht (mehr) gerecht.

 

Woran liegt es, dass die Kluft zwischen Projektleitern und Agilisten oft so groß erscheint? Meiner Meinung nach liegt das nicht an dem „Neuartigen“ des Agilisten, sondern an der „Degeneration“ der Rolle des Projektleiters. Dazu ein paar Beispiele:

 

Zuallererst wird Projektmanagement in vielen Organisationen prozessualisiert. Das heißt, die eigentliche Abgrenzung des Projektgeschäftes von Routinetätigkeiten (die mit Prozessen beschrieben werden können) wird aufgehoben. Somit degradiert man den Projektleiter und macht ihn statt zur Führungskraft über das Projekt zum Bediener des Projektmanagement-Prozesses oder des Produktentstehungs-Prozesses. Er wird zum “Abarbeiter” von Aufgabenbeschreibungen, zum Befüller von Reportings und Checklisten und zum Antreiber des Teams. Hat er (mit Unterstützung seines Teams) alle nach Prozess erforderlichen Dokumente angelegt und aktuell gehalten, ist er ein guter Projektmanager. Wenn nicht, wird eskaliert…

 

Darüber hinaus werden Projektleiter oft nur noch Projektmanager genannt. „Na und…?“ fragen sich vielleicht viele, aber genau genommen wird ihm schon allein damit (mehr als) die Hälfte seiner Kompetenz abgesprochen. Ein Projektleiter hat nach meinem Verständnis zwei Aufgaben: das Projekt zu managen und das Projektteam zu leiten. Der Projektleiter vereint somit Management und Leadership in einer Rolle. Die (souveräne) Leitung des Projektteams fällt aber in vielen Kontexten immer mehr unter den Tisch.

 

Anstatt sich selbst ein Team an fähigen Personen zusammenzustellen, die für die Umsetzung des Projektes gebraucht werden, werden dem Projektmanager oft nur noch „Ressourcen“ von anderen, also „von außen“, zugewiesen, ohne dass er selbst Einfluss darauf hat.  Bei “Ressourcen” wird oft nicht von Personen gesprochen, sondern nur von „humanen Ressourcen“ oder „Full Time Equivalents (FTEs)“ und bestenfalls von „Skills”.

 

Diese „Ressourcen“ werden dann natürlich auch kein echtes Projektteam, sondern sind meist nicht mehr als eine (bunt zusammengewürfelte = interdisziplinäre?) Gruppe von Arbeitspaketverantwortlichen. Für Teambuilding, d.h. für die Zeit, die die Gruppe bräuchte, um die Menschen hinter den Ressourcen zu sehen und die für echte Kooperation nötigen Beziehungen aufzubauen, fehlt die Zeit und das Geld.

 

Identifikation mit dem Projekt, Leidenschaft und Teamgeist können so gar nicht entstehen – Elemente, die zur erfolgreichen Meisterung von komplexen und herausfordernden Projekten allerdings unabdingbar sind. Am Ende fällt das dann auf den Projektleiter zurück und dies wiederum führt zur Unzufriedenheit mit den „klassischen Methoden“. Und genau hier greift das Thema der Agilität an: Denn durch Einführung von Agilität wird all das vermeintlich besser.

 

 

 

Wann macht agiles Projektmanagement Sinn?

 

AGILES ARBEITEN IST KEINE FRAGE DER METHODE, SONDERN DES MINDSETS

 

Große Euphorie herrscht genau dann, wenn man dem Projektleiter, mit welchen Methoden oder Rollen auch immer (Sprint, Work in Progress-Limit, Srum Master, Retrospektiven etc.), die Möglichkeit gibt, dem Team wieder einen geschützten Rahmen zu bieten, es zu einem echten Team werden zu lassen und den Scope des Projektes eigenständig (natürlich entsprechend den Kundenwünschen und -bedürfnissen) zu gestalten. Dies bedeutet (Product bzw. Project) Owner zu sein und echte Verantwortung für das eigene Projekt zu übernehmen.

 

 

 

Wann macht welche agile Methode Sinn?

 

Große Frustration herrscht übrigens auch beim agilen Arbeiten genau dann, wenn man dies nicht tut und die Methode ohne die nötigen Voraussetzungen und das entsprechende Mindset einführt, den geschützten Rahmen nicht beachtet und den Rollen zu wenig Verantwortung und Selbstbestimmung zugesteht. Genau diese Erfahrung machen viel Unternehmen aktuell.

 

Erfolgsversprechender als überall blind agile Methoden einzuführen, wäre es also, wenn wir als Projektleiter, die wir den Anspruch haben echte Projekt-LEITER zu sein, agile Methoden bzw. Strukturelemente, Praktiken und Prinzipien nutzen, um unserem eigenen Anspruch und damit dem eigentlichen Namen des Projektleiters wieder gerecht zu werden und den Trend der kontinuierlichen Erosion der Projektleiterkompetenzen umzukehren.

 

Unser Agile Mindset Seminar ist genau dafür gemacht: Wir unterscheiden nicht zwischen agil und klassisch. Es braucht einfach eine Rückbesinnung auf die eigentliche Rolle des Projektleiters und eine Erneuerung/ kontinuierliche Verbesserung/ Erweiterung/ Vervollkommnung des Projektmanagements mit Hilfe von verschiedenen „agilen“ Elementen aus Scrum, Kanban, Design Thinking und Lean (um nur die wichtigsten großen Strömungen zu nennen). Somit werden wir selbst zu Agilisten, obwohl wir doch eigentlich nur unseren Job als Projektleiter tun.

 

► ONLINE: AGILE MINDSET INTENSIVKURS & ZERTIFIZIERUNG

 

 

Unser Agile Mindset Seminar beschränkt sich nicht auf eine einzelne Methode des agilen Projektmanagements, sondern betrachtet eine Reihe unterschiedlicher Ansätze von Scrum, KANBAN, Lean und Design Thinking. Gleichzeitig soll ein Verständnis entstehen, welches Mindset und welche organisatorischen Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, um die jeweilige Methode erfolgreich einzusetzen. Nutzen Sie dieses Seminar, um einen umfassenden Einstieg ins agile Projektmanagement zu bekommen und lernen Sie eine neue Art des Projektmanagements kennen, das klassische und agile Methoden kombiniert!

 

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